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Transkripte

Wir werden in Zukunft Transkripte von den Folgen zur Verfügung stellen. Das hilft, Dinge schneller wieder zu finden. 

Transkript Stolperstein 9: Burnout 

Simea:

Herzlich willkomm Frauentisch. Ich sitze hier mit Esther.

 

Esther:
Hallo Simea.

 

Esther:
Hallo. Esther ist Jahrgang 81, habe ich gerade im Vorgespräch gelernt. Könnt ihr selber rechnen, was es bedeutet. Sie ist jung, heißt es. Wir haben uns kennengelernt im Halbzeitprogramm vom ersten Durchlauf. Also das ist das Programm, was ich mache für Campus wie für Frauen über 40. Und wir waren zusammen in der Kleingruppe und ich würde sagen, es war so ein bisschen Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns gleich mega gut verstanden, haben gleich richtig coole Gespräche gehabt, schon am ersten Wochenende. Und haben auch über das ganze Jahr irgendwie Kontakt gehabt per WhatsApp und immer wieder mal uns ausgetauscht, Eindrücke weitergegeben, Leben geteilt. Und deswegen freue ich mich jetzt besonders, dass du hier bist heute, Esther, und uns von deiner Weisheit, von deinen Erlebnissen erzählst. Ich sage kurz was zu dir. Bei den Leuten, die ich schon ein bisschen besser kenne, sage ich immer gern, was ich richtig cool finde. Also, als erstes der Humor.

Wir haben gestern abend lagen wir auf dem Sofa und haben Witze erzählt. Und uns krumm gelacht. Genau, weil Esther gerne in ihren Meetings mit Witzen abschließt und das ist jetzt schon so beliebt, dass es eingefordert wird, wenn sie es mal nicht sofort macht. Sie ist aber super strukturiert. Du hast manchmal gesagt, du hast so einen männlichen Brain, dass du Sachen ganz klar und unemotional und nüchtern irgendwie angucken kannst. Sie ist auch Umweltingenieurin vom Beruf.

Und sie ist super klar, hat immer mal wieder so Weisheitssachen, die sie raushaut und man denkt, oh okay, jetzt bin ich getroffen. Sie ist authentisch, sie ist direkt und man weiß, woran man mit ihr ist und ich finde diesen Begriff, man kann mit jemanden Pferde stehlen, über den habe ich irgendwann vor ein paar Jahren mal so ein bisschen nachgedacht, was es eigentlich bedeutet. Ich habe gedacht, der passt gut zu dir. Also, man kann dich sicher immer anrufen, wenn man praktisch irgendwelches Unrecht aufräumen will. So, oder -Du bist am Start. Von dem her mega mega cool. Selbstbewusst bist du auch noch und fähig und einfach eine Powerfrau. Also ich find's richtig cool, dass ich dich so kennenlernen durfte und du so in mein Leben getreten bist. Und ich sag doch vielleicht noch so zwei Sachen, die man so über dich wissen muss am Anfang.

 

Esther
Ja zuerst mal vielen Dank für die Blumen. Du bist für mich auch eine Bereicherung und wirklich eine Inspiration. Das schätze ich sehr.

Ja, zu mir. Ohne meine Kapsäge könnte ich nicht leben. Die brauche ich. Ja, natürlich mit Humor. Ich bin gerne kreativ. Ich viel Kreativität, arbeite zurzeit nicht so kreativ. Ich muss mir diese Freiräume dann anderswo suchen, damit ich den Ausgleich habe. Ich bin verheiratet mit Sigi. Wir haben keine Kinder. Wir haben spät geheiratet und uns dann ... nicht mehr an Kinder herangetraut mit unserer Konstellation und sind sehr happy, so eine gute Wahl.

 

Simea:
Kinderfrei habe ich gelernt, das Wort. Nicht kinderlos, wir sind kinderfrei. Das finde ich mega schön.

Esther:
Genau. Ich habe einen Bruder, einen Älteren, der hat zwei Kinder und das sind jetzt ein bisschen meine Kinder. Er sagt, dass ich mich in einen nicht Neffen investiere, auch in mein Gottkind habe ich noch als ein Patenkind von einer anderen Familie und die sind jetzt langsam im Teenageralter. Ich liebe dieses Alter Teenager, das ist auch mein erster Beruf. Ich bin Oberstufenlehrerin, so für die Teenager zuständig. Das ist erster Beruf und ich finde es ein cooles Alter. Und der zweite Beruf, wie sie mir gesagt hat, ich bin Umweltingenieurin, ich habe dann noch auf der mathematisch -naturwissenschaftlichen Ebene mich weiterbilden wollen.

Mich hat das sehr bewegt und beschäftigt, was in dieser Welt alles passiert mit dem Klimawandel und wollte es wissen. Und dann habe ich gedacht, wenn ich so viele Recherchen betreibe über diese Dinge, kann ich es auch gerade studieren. Mein Mann hat dann gesagt, hey, das passt zu dir, ein Ingenieurin kommt, geh ins Studium, ich halte den Rücken frei. Und dann hat er gearbeitet und dich dann teilzeit und studiert nochmal.

 

Simea:
Das finde ich immer cool, auch als Ermutigung für euch da draußen.

Man kann wirklich noch mal einen zweiten Beruf lernen. Das ist immer möglich. Und das ist dann teilweise eine coole Weggabelung. Und das sieht man bei dir, dass du das ja auch jetzt richtig cool leben kannst. Ich habe es mit 36, habe ich das zweite Studium begonnen und war mit 40 Männern in der Klasse. Wir haben Mathematik, Physik und natürlich alle die Ingenieurewissenschaften zusammen studiert. Ich hatte noch eine zweite Frau, gab es noch. Und das war kein Problem.

 

Und am Mittagstisch diskutiert man über irgendwelche technischen Themen. Das finde ich auch hoch spannend. Das finden nicht alle gleich spannend. In allen Details. Noch heute organisiere ich viermal im Jahr oder dreimal im Jahr ein Ingenieuressen mit meinen Studienkollegen. Das ist so cool zu sehen, wie in der Schweiz jetzt momentan die Essen bedirekt zu den Ladestationen für Elektroautos machen, die den Strom einspeisen, wie er rausziehen kann, quasi als mobile Batterie im Haus benutzen kann und zur Pionierarbeit leisten. Und dann tauschen wir da aus, wie ist der Stand der Forschung, wo seid ihr dran, was bewegt auf dieser Ebene. Das ist, finde ich, eine super Bereicherung. Cool. Ich nehme an einem Leben teil. Das ist Gefühl, oder? Ja, und es verändert was, also der Job verändert was in der Welt. Also umwelttechnisch wird es, wollen wir das Ganze besser machen mit unserem Know -how und das haben wir. Das können wir jetzt einsetzen.

 

Simea:
Ja, cool, sehr cool. Es ist interessant, dass ich dich als so eine Powerfrau, die du bist, die ich als Gesprächspartnerin habe, jetzt erstmal danke, dass du das so ein bisschen mit uns teilst, weil ich habe immer noch das Gefühl, das ist ja auch noch was, Burnout, wo man sich oft dafür irgendwie schämt oder wo man das Gefühl hat, das ist was, das darf man nicht wissen. Kannst uns mal ein bisschen mit reinnehmen, so einen kleinen Überblick geben über das?

Was ist passiert bei dir, wie es dazu gekommen ist, dass du im Burnout gelandet bist?

 

Esther:
Das hat verschiedene Aspekte von innen und außen. Ein Burnout ist eigentlich, wenn es in mehreren Beziehungen nicht mehr herumläuft, wenn es dort Konflikte gibt. Die wichtigste Beziehung, die bei allen Menschen kaputt ist, bei einem Burnout oder nicht mehr funktioniert, ist die Beziehung zu sich selbst.

Ich habe mich dann nicht mehr gespürt. Ich habe gewusst, ich habe gemerkt, etwas stimmt nicht. Ich habe gewusst, es ist falsch. Ich musste etwas ändern, aber ich konnte es nicht ändern. Es ist wie wenn du auf der Autobahn fährst und du weißt, du musst jetzt abbremsen, weil der Sprit geht aus. Du musst jetzt raus und tanken gehen, aber du schaffst es nicht. Das geht nicht. Du kannst keine Ausfahrt, du kannst nicht den Fuß vom Gaspedal wegnehmen, weil der ist mit angeschraubt. Der ist mit Blei fest. Der bleibt unten.

Und somit kannst du auch keine Ausfahrt nehmen, um zu tanken. Dieses Gefühl auf dieser Autobahn zu sein, stoppen zu müssen, aber nicht zu können, das ist mir sehr gut bekannt. Und das geht dann so lange, bis mein Körper immer stärker darauf reagiert hat wie Atemnot bekomme. Ich habe gemerkt, ich atme nicht mehr richtig und habe dann immer so nach Luft geschnappt. Dann hat sich der Herzschlag verschnellert, aber dann dauerhaft, also da auch in der Nacht. Ich hatte nur einen Pulstest, da war ich mit zehn Schlägen höher. Ich habe gemerkt, ich konnte nicht mehr runterfahren mit den Gedanken. Ich habe Tag und Nacht dann begonnen, drüber nachzudenken. Ich konnte nicht mehr einschlafen. Irgendwann am Morgen bin ich eingeschlafen, aber da musste ich wieder aufstehen, um zur Arbeit zu gehen.

Auch an den Wochenenden und Sonntagen habe ich durchgearbeitet im Kopf. Ich konnte nicht mehr den Moment genießen, im Moment sein. Genau, das war die eine Beziehung, die nicht mehr stattgefunden hat, also zu mir selber. Es gab auch weitere Beziehungen, die Beziehung zur Arbeit zum Beispiel. Ich hatte sehr viel zu tun bei beiden Burnouts. Es gab eine Kumulation, wo ich einfach nicht mehr nachkam. Ich merkte, ich habe den To -Do -Stapel auf und ich kann ihn nicht halten, sondern er immer zu. Je mehr ich investiere, ich habe dann auch meine Freitage hingegeben, ich habe immer 80 % gearbeitet und auch diese 20 % noch draufgegeben und dieser Stapel hat sich nicht abgebaut, sondern immer noch zugenommen.

 

Simea:
Also von außen, da konntest du eigentlich gar nichts dran ändern?

 

Esther:
Anstatt dass ich den Stapel hätte explodieren lassen, das wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Meine Chefin habe ich gesagt, jetzt beim letzten Burnout war ich in einem Beamtenjob und habe eine Maßnahme umgesetzt, da kamen Gesuche rein, die bearbeitet werden mussten. Und da sind ganz viele Gesuche reingekommen. Wir hatten parallel dazu noch ganz viele Computerprobleme zu lösen, weil der Computer, der das geprüft hat, war noch nicht eintrainiert für diese Gesuchsprüfung und muss sich sehr viel von Hand Computerarbeit machen, plus noch die Computerprobleme lösen, organisieren, dass sie gelöst werden. Irgendwas, es war einfach zu viel und es war ganz für einen kreativen Menschen wie mich schlimme Arbeit. Immer wieder dasselbe tun, werden gesucht, es sieht immer gleich aus. Und mit einem Raster über Zahlen gehen, wo ich finde, das kann irgendjemand anders machen, da braucht es keine kreativen Denker, da braucht es niemand so gut ausgebildet, das für das zu tun.

Und das hing an mir, neben dem ganzen anderen auch noch. Und das war dann ein Burnout im Burnout drin. So dass sich vor lauter sinnloser Arbeit dann, wie auch, dass es mir zusätzlich ganz viel Energie entzogen hat. Dann wurde ich nicht mehr produktiv. Ich merkte dann, wie meine Gedanken quer durchs Hirn jagten und sich irgendwie verknüpften oder auch nicht.

 

Ich konnte mir auch mehr die Gedanken zu Ende denken. Ich konnte mir Dinge nicht mehr merken. Ich habe mich dann selber nicht mehr erkannt. Ich habe mich von mir entfremdet. Ich habe gemerkt, so bin ich nicht. Was habe ich jetzt gedacht? Ich stand dann im Einkaufsladen vor dem Regal mit den Broten. Ich sah 15 Brote und stand 10 Minuten dann. Ich wusste nicht, welches Brot ich jetzt kaufen muss. Ich war so überfordert in meinem Gehirn.

Ich konnte nicht mehr entscheiden. Ich wurde dünn halt, ich habe meinen Mann angerabautzt, ich habe Streit vom Hocker gerissen, ich hatte einfach keine Kapazität mehr Dinge abzufedern. Mich hat alles sofort aufgeregt, genervt. Ich wurde richtig schwierig, auch für mich selbst. Das war auch schwierig, weil ich habe gemerkt, dass das nicht stimmt. Dann gemerkt, wie ich ganz gezittert habe, nervös, das war nicht mehr mich selbst. Das waren dann die körperlichen Auswirkungen von diesem nicht ab dem Gaspedal gehen zu können, nicht wieder tanken gehen zu können. Ich habe es ja probiert, aber es ging nicht. Und dann war es so schlimm, ich habe gemerkt, ich gehe kaputt jetzt. Also ich weiß nicht, ob ich durchdrehe, das war so ein Gedanke. Ich drehe irgendwann mal durch, weil ich mich so nicht mehr erkannt habe. Und dann habe ich mich entschieden, der Ärztin anzurufen. Ich habe gemerkt, es muss eine Lösung hin und jetzt kann ich es nicht. Ich kann auch nicht mehr entscheiden. Ich habe versucht noch ein Coaching einzufädeln, aber die hatten so Wartetermine von Monaten und das ging einfach nicht. Ich musste in dieser Woche eine Lösung haben, weil ich merkte, sonst geht ganz viel kaputt in mir, aber auch in meinen Beziehungen und so weiter. Und die Ärzte hatten dann drei Tage später Zeit. Ich habe dann durchgehalten und sie habt mir zugehört und gesagt, sie, das ist ein klarer Fall. Ich schreibe sie 100 % krank. Immer für einen Monat. Ab morgen gehen sie nochmals auf die Arbeit und regeln sie die Sachen. Und das habe ich dann gemacht. Wir haben mich ganz rausgenommen, weil ich in einer verantwortungsvollen Position stand. Und einfach auch aus strategischen Gründen, damit ich ersetzt werde. Und dass ich nicht immer noch drin hänge in Gedanken.

 

Simea:
Wie einfach ist dir der Schritt gefallen, dann dazu zu sagen, ich kann nicht mehr bei der Arbeit?

 

Esther:
Bis es so weit war, war es sehr, sehr schwierig. Meine Chefin hat gesehen, dass es mir nicht gut ging, sie hat nicht reagiert. Sie hat ihre Sorgfaltspflicht nicht wahrgenommen. Ich habe sehr klar gesprochen, ich habe auch geweint, ich kann nicht mehr. Sie sagte, jeder von uns ist überlastet, kann dir niemand zur Entlastung geben. Sie hat keine Lösung gesehen und ich dann eben auch nicht mehr.

 

Simea:
Also an diesem Tag, wo du dann hingegangen bist und alles geklärt hast und gesagt hast, ich habe einen Burnout. Wie ging es dir da?

 

Esther:
Das war noch so mechanisch. Das ging noch so... Also da habe ich einfach gewusst, das ist jetzt der nächste Schritt. Der Tag danach war viel schlimmer. Ich ging nicht mehr zur Arbeit. Das Gefühl ist so: total versagt. Du bist nichts wert. Dich kann man nicht mehr brauchen. Du wirst nie mehr auf die Beine kommen. Da kommt ganz viele Lügen dann in den Kopf. Die sind sehr zerstörerisch.

Und dann dreht sich mal das ... Wer bist du? Das dreht sich dann in deinem Kopf. Oder in meinem Kopf hat es sich gedreht. Und das war so ein Tieffall. Jetzt beim ersten Mal war es viel schlimmer als beim zweiten Mal, weil ich es ja schon gekannt habe. Ich wusste jetzt kommt die Phase, wo es schwierig wird, oder? Mit diesen negativen Gedankenschrauben. Die hatte ich vorher auch schon. Aber es wird nachher besser.

Und beim ersten Mal konnte ich nicht einmal beten. Meine Stärke ist, wenn ich irgendwo nicht weiter komme, gehe ich ins Gebet, frage Gott um Hilfe und kriege die auch auf eine Geisart, sagt man so in unserer Umgangssprache. Aber das erste Mal war es dann so, dass ich das Gefühl hatte, ich habe mich dann nicht mehr als Mensch gefühlt, sondern irgendwie, ich weiß auch nicht was, aber völlig nicht mehr brauchbar.

Das hat aber auch mit meiner Geschichte zu tun. Ich bin in einem eher leistungsorientierten Elternhaus aufgewachsen. Gut bürgerlich, man ist jemand, wenn man leisten kann. Und das konnte ich auch. Ich konnte gut leisten. Das ist eine Gabe. Aber ich habe mich über diese Leistung definiert. Das war mein Lebenssinn. Und jetzt fällt der weg und jetzt ist das Leben sinnlos.

Ich denke, das war einer der wertvollsten Erlebnisse, die ich gemacht habe, immer noch, aber auch eine der schwierigsten und stärksten. Ein Erlebnis, das ich einerseits nicht missen möchte und andererseits mir auch nicht wünsche, weil es so schlimm war, und deine ganze Existenz fällt zusammen. Und die gilt es dann wieder aufzubauen, aber diesmal auf einen anderen Grund. Eine andere Basis, ein anderes Fundament bisher.

 

Simea:
Wo du dann beim ersten Mal krankgeschrieben warst, dann bist du ja wirklich im Prozess vom Aufarbeiten eigentlich durchgangen. Ist es sofort losgegangen oder musstest du dich erst mal einfach irgendwie erholen? Also wie muss man sich das vorstellen? Wie hast du dann diese Zeit verbracht? Was hast du gemacht?

Esther:
Also ich musste von der Ärztin her, musste ich eine psychologische Beratung in Anspruch nehmen, damit sie mich krankschreiben konnte.

 

Simea:
Wie häufig?

 

Esther:
Ich weiß nicht mehr genau, alle zwei Wochen oder einmal in der Woche. Ich hatte das Privileg, dass ich nicht in dem Sinn Burnout -Burnout hatte, sondern sie hat es als Erschöpfung diagnostiziert. Es gibt auch Erschöpfung ohne Depression. Das hat mir herausgefunden, weil ich eine Woche, zwei, depressiv wo ich den Sinn des Lebens nicht mehr gesehen habe.

Aber das hat sich sehr schnell erholt, Gott sei Dank. Ich konnte sehr gut schlafen. Beim ersten Mal habe ich fast nur noch geschlafen. Das war eigentlich der erste Teil. Es war wie eine Last, die von mir abgefallen ist. Und ich hatte dann auch Zeit zu erwachen am Morgen. Ich habe dann die Vögel gehört. Das war der Erholungsfaktor, den ich hatte, am Morgen den Vögeln zuzuhören und einfach mal im Bett liegen zu bleiben.

Und zu wissen, ich muss jetzt nicht aufstehen und arbeiten gehen. Ich begann nicht, wieder Kraft zu entwickeln und habe dann irgendwelche schönen Dinge gemacht wie spazieren gehen, Kaffee trinken gehen, in der Stadt irgendwas einkaufen gehen, Lädele, wie man in der Schweiz sagt. Und dann hatte ich mir ein schlechtes Gewissen, dachte ich ja, ob jetzt gehe ich auf Kosten des Arbeitsgebers oder der Krankentaggeldversicherung Lädele und Kaffee trinken.

Ich habe das mit einem Psychologen besprochen und er sagte, dass ich das jetzt tun muss. Das ist genau das, was Ihnen Erholung bringt. In Museen gehen und die anschauen und das mit dem Kosten lassen Sie einfach mal. Das ist Sie jetzt gesorgt, da müssen Sie sich nicht darum kümmern. Und da habe ich gemerkt, wenn ich mir das rausnehme, was ich mir vorher nie rausgenommen habe ...

Wenn ich das jetzt priorisiere und mich mit gutem Gewissen tut, mich dort nicht ablenken lasse, dann werde ich viel schneller gesund und das ist dann auch effizienter. Von den Kosten her, das hilft mir manchmal. Je schneller ich gesund werde, desto besser, dass ich mit gutem Gewissen die schönen Dinge mache, die ich so gerne mache.

 

Simea:
Und dann bist du aber auch den ganzen Gründen auf den Grund gegangen? Oder ist es beim ersten Mal noch nicht so passiert?

Esther:
Klar, ich hab viel gelernt. Sehr viel. Die Frage ist natürlich schon immer um, warum es ein zweites Mal passiert. Ich kann gar nicht garantieren, dass es nicht ein drittes Mal passiert. Aber ich habe immer weniger Angst davor, weil ich weiß, in einem Jahr bin ich wieder fit. Genau das brauche ich circa und ich bin resilient. Aber es kann mich erwischen, wenn ich mir zu wenig Sorge trage. Wenn ich externe Faktoren stärker priorisiere, also wenn ich zum Beispiel meinem Arbeitgeber oder meiner Arbeitgeberin gefallen will und meine Arbeit so gut machen will, dass sie Freude an mir hat. Das ist so ein Lebensmotor, das ich in mir drin habe. Ich möchte anderen Menschen erfreuen, deshalb ist der Humor ja auch so wichtig, weil ich gerne lache und ich möchte auch, dass man Freude hat an mir. So fast wie wenn man mich liebt. Also das ist für mich Freude, so etwas Gleichwertiges. Und ich habe in meinem Inneren den Trugschluss drin.

Wenn ich meine Arbeit ganz gut mache, dann haben Leute Freude an mir. Wenn ich sie perfekt mache. Ich muss sie wirklich so gut machen. Und wenn sie sich nicht freuen, muss ich sie noch besser machen. Das war so ein Grund, weshalb ich mich dann so erschöpft habe über mein Schaffen. Es war aber nicht die einzige Beziehung, die kaputt war zu mir und zur Arbeit, sondern da waren auch noch die Elternbeziehungen. Es sind immer mehrere Faktoren, die da rein spielen. Das war zu meinem Vater eine schwierige Beziehung, zu meiner Mutter in dieser Phase auch ganz schwierig, wo vieles unklar war, wo vieles sehr viel Energie kostete. Meinem Vater ging es um eine Rechtsfrage für ein Erbrecht, wo mein Bruder und ich abklären mussten und so weiter. Mühsame Prozesse mache ich gar nicht gerne. Es geht darum zu verstehen, was läuft jetzt und was bedeutet das für uns und dann zu verhandeln mit einem Partner, der nicht verhandeln kann und will. Wie stellen wir uns dazu? Was entscheiden wir jetzt für die Beziehung oder für das Recht? Wir haben uns dann für die Beziehung entschieden und das Recht fallen gelassen und gewusst, es ist Unrecht, aber uns ist die Beziehung wichtiger, weil Gott wird uns gerecht schätzen.

Gerechtigkeit schaffen, das ist nicht unser Auftrag, aber es braucht Zeit sich dort diesen Prozess zu gehen und dann gut zu gehen. Nicht, dass ich die Faust im Sack mache, sondern dass ich hinter der Entscheidung stehen kann. Und diese Aspekte sind wieder oben drauf gekommen. Das hat alles gezerrt. Und dann habe ich mich vielleicht auch in die Arbeit geflüchtet. Und die hat mich dann eben auch nicht erfüllt.

Das ist irgendwie die falsche Fluchtmöglichkeit. Ich brauche einen anderen heiligen Place, wo ich mich bergen kann, nicht in der Arbeit und auch nicht in der Beziehung zu mir selbst. Das ist zwar ein wichtiger Aspekt, aber das ist nicht die Grundlage.

 

Simea:
Ja, genau. Und wie bist du dieses dann angegangen? Also hast du dann auch mit Gott irgendwie, bist du da neue Wege eingeschlagen in dieser Phase?

 

Esther:
Jetzt mit dem zweiten Burnout sehr. Ich habe gemerkt, dass meine Qualitätszeiten mit Gott waren. Ich habe sie eingehalten, gemacht. Was mir wichtig war, habe ich in meinem Plan priorisiert. Auch wenn ich es nicht gespürt habe, ich habe Gott nicht gespürt wahrgenommen, ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren. Ich habe die Bibel gelesen, habe sie laut gelesen, damit ich wenigstens von A nach B kam und nicht da und unterbrochen wurde. Ich habe dann begonnen, Gedanken aufzuschreiben, damit ich mich einigermaßen konzentrieren konnte. Das war sicher eine gute Lösung.

Das hat am Anfang unbedingt zur Heilung beigetragen. Den Durchbruch hatte ich fast am Ende dieser Zeit, habe ich mir eine Ruhetage in Taizé genommen, eine Comprominute Taizé, das ist ein überkonfessioneller Orden, ein Mönchsorden in Frankreich, mit tausend Leuten auf dem Campus.

Ich habe gebetet, dreimal am Tag, mit einer engen Tagesstruktur. Ich bin eher Freiheitsliebend, aber ich habe mich einfach mal das Experiment gewagt und gesagt, ich habe mir dann natürlich Freiheit rausgenommen. Und ging meistens in die Gebete und habe dann einfach Gott erlebt, an einem Ort, wo er schon sehr präsent war. Und habe gemerkt, jetzt ist er da. Und habe mir natürlich gehofft und auch für mich beten lassen, dass ich das mit in den Alltag nehme.

Das war eine coole Begegnung mit einem jungen Priester, der da war. Ich habe so viel mit Gott erlebt in diesem Tag, ich möchte das mitnehmen. Und dann sagte er, vergessen Sie das, das können Sie nicht! Sie können es nicht mitnehmen. Aber Sie können die Erinnerung daran mitnehmen, hier ist ein besonderer Ort, aber Sie werden immer wieder solche Orte haben. Der Alltag ist einfach der Alltag und Sie werden solche Momente erleben. Aber wir müssen auch realistisch sein und sagen, hey, das sind spezielle Momente.

Simea:
Das ist eigentlich weise, weil wir sind ja so ein bisschen als Menschen so, dass wir das eben wollen. Auch nach Lager, sag ich immer, Lagerkoller. Beispiel, wenn man nach Hause kommt und das Lager ist vorbei und dann ist es so, oh Gott, was habe ich mit meinem Leben noch anfangen? So ein bisschen, ja? Oder nach so großen christlichen Events oder so, ja? Dass man dann so in so ein Loch fällt und dass man eigentlich immer dieses Bedürfnis hat, ich will es jetzt mitnehmen. Ich will konservieren, ich einfach zu sagen, nein, danke, dass ich es erlebt habe.

Und die Erinnerung trägt mich. Und ich weiß, es ist möglich, die Begegnung ist möglich, anstatt sich so da abzustrampeln. Das finde ich ein sehr junger, weiser Typ war das dann in dem Fall.

 

Esther:
Es ist ja wie Petrus, der für Jesus, Mose und der Elia die Hütte bauen wollte. Der will es konservieren, diesen Moment. Das ist irgendwas Menschliches, was wir haben. Und dann merkte ich, ja, ich darf das einfach genossen haben jetzt und mitnehmen und daran erinnern und wieder zurückkommen. Es war eine Stärkung, eine Wegzehrung und jetzt geht es wieder in den Alltag und ich werde auch in dem Leben leben dürfen. Ich habe neu gelernt, Meditation, also im Sinn von einfach stiller mit Gott, mit Gott sein, in Gott sein und er in mir zu spüren, wie er in mir ist. Diese Beziehung  zu vertiefen. Das ist noch immer sehr stark mein Fokus und da habe ich tolle Schritte machen dürfen. Am Anfang war ich einfach knietig oder saß ich da vor Gott und tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf, aber keiner, der sich irgendwie fromm anmutete, wirklich nur einen Tag verarbeitet. Und das einfach auszuhalten und zu sagen, nein, ich bin jetzt hier vor Gott und er ist da und ich jetzt gerade noch nicht so ganz, offensichtlich, fühle ich schon.

Ich habe gemerkt, mit Musik einstiegen geht es mir ein bisschen schneller. Oder wenn ich eine App habe, die mich immer wieder daran erinnert, dass jetzt der nächste Schritt ist. Ich bin jetzt wirklich als Anfängerin und trainiere mich jetzt einfach in den Grundlagen des Seins mit Gott. Nicht des Tuns, nicht des Betens. Das kann ich sonst mal, aber ich versuche mir immer regelmäßig Zeiten einzupassen, wo ich bin mit Gott. Im Moment ist es mittags.

Ich erlebe es jeden Tag völlig anders. Von Top -Ablenkungen, was mir sehr schwer fällt, das zu fokussieren immer noch. Aber manchmal geht es so 2 -3 Sekunden und es ist immer super cool, dann einfach außerhalb von Raum und Seil zu sein und diese Beziehung zu genießen. Einfach das Sein mit ihm, ohne zu sprechen. Ich kann nicht sagen, er hat das und das gesagt, aber ich weiß, er war mit mir. Das ist unglaublich stärkend und führt mich so in eine Tiefe und in eine tiefe Ruhe und einen tiefen Frieden rein.

Simea:
Du hast jetzt zweimal schon den zweiten Burnout angesprochen. Ich fände es jetzt spannend, also würdest du im Nachhinein, das kannst du jetzt natürlich einfach von der Retrospektive kannst du das jetzt sehen, ja, sagen, wo du siehst, dass es dann falsch gelaufen ist oder halt so gelaufen ist, dass du nochmal das zweite Mal in den Burnout gelandert bist.

Ist es was, wo du sagst, ich hätte es kommen sehen können oder warum habe ich nicht oder so. Also ich bin so ein hätte hätte Mensch, wo ich mich immer dann frag, hätte ich das irgendwie anders hinbekommen können. Wie ist es dir gegangen, wo dann das zweite Mal das passiert ist oder wie ist es dazu gekommen? Vielleicht kannst du das erst erzählen und dann sagen, wo du gemerkt hast, im Nachhinein, da ist es vielleicht wieder falsch gelaufen oder da musste noch was kommen.

 

Weisst was ich meine?

 

Esther:
Also so ein bisschen... Ich versuch's mal. Also zwischen dem ersten und zweiten Burnout sind 10 Jahre dazwischen von gesunden Jahren. Ja, das ist natürlich schonmal wichtig. Jetzt ist es ein halbes Jahr her, wo ich wieder voll arbeite nach dem zweiten Burnout. Ich hatte eineinhalb Jahre dann, wo ich nicht mehr voll gearbeitet habe. Ich war drei Monate ganz weg. Und dann Teilzeit. Genau.

Beim zweiten Burnout habe ich es Ich wusste, dass die Umsetzung der Massnahme, das ist ein sehr enger Terminplan zu all dem, was ich sonst noch als Projektleiterin auf dem Auftragszettel hatte, obendrauf kam. Ich wusste, dass ein Programm kürzester Zeit umgesetzt sein wo man eigentlich die doppelte Zeit benötigen würde. Aber es war sehr viel politischer Druck da, dass das umgesetzt wird.

Und dann dachte ich schon, uiuiui, das sieht nicht gut aus, aber wie auch meine Grundkonstitution schon beim ersten Mal, das schaffe ich schon. Das ging ja. Das geht gut. Es ist jetzt immer gut gegangen in den letzten zehn Jahren, dass das geht. Und was ich aber nicht kalkuliert hatte, waren wirklich diese Schwierigkeiten in der Beziehung zu meinen Eltern, also zu je meinen Eltern. Diese Situation, die sich dann angespannt hat, hat auch in zu Schwierigkeiten der Beziehung zu meinem Mann geführt. Wir hatten uns dann auch reibereint. Das fühlte mich total einsam und allein gelassen dann in diesem ganzen Prozess. Und für ihn war es einfach eine totale Überforderung mit mir umzugehen, weil er mich nicht mehr kannte und ich mich ja auch nicht mehr. Das hat sich dann wie kumuliert. Also ich sah es kommen und habe es irgendwie nicht ernst genommen. Ich habe nicht hingeschaut. Ich habe gedacht, das geht dann schon irgendwie.

Oft geht das irgendwie, aber diesmal hat es dann nicht geklappt.


Simea:
Und warst du dann, also bist du dann schneller zumindest auf die Ärztin und so weiter zugegangen oder hast du da dann, weil du es ja schon kanntest, die Schritte anders gemacht beim zweiten Mal?

 

Esther:

Ja, ich war schneller mit den Ärzten. Ich wusste einfach jetzt, wie das Prozedere läuft. Ich gehe zu Ärzten, ich werde krankgeschrieben. Und dann gehe ich in Therapie. Das sowieso schon. Ich habe immer ein Coaching. Wenn ich Dinge habe, die brennen, dann rufe ich sie an. Dann können wir das mal reflektieren zusammen und dann gehe ich hin. Das ist immer sehr gut. Das habe ich auch weitergefahren. Ich hatte dann drei Coachings. Ich hatte eines beim Psychologen, das brauchte ich für die Ärztin, damit sie jemanden hatte, zum Rücksprache haben, weil sie keine Psychiaterin ist, aber alle Psychiater in der Schweiz so überlastet sind, dass man keinen Termin mehr findet. Ich hatte auch Schwierigkeiten, den Termin beim Psychologen zu finden. Ich habe dann selber finanzieren müssen. Das war dann die Konsequenz von diesem Fachkräftemangel. Ich musste auch eine ganze Weile warten. Also es ist für Menschen, die akut ein Problem haben, sehr, sehr, sehr prekär, sehr schwierig.

Meine erste Aufgabe war, mir einen Therapieplatz zu organisieren, hat mir die Ärztin gesagt und eine Liste gegeben. Dann habe ich noch ein separates Coaching vom Arbeitgeber in Anspruch genommen. Das war sehr gut, da habe ich mich mit Laufplanberatung auseinandergesetzt.

Simea:
Das war da, wo du so viel aufgeschrieben und visualisiert hast?

 Esther: Ja, ich habe ein Buch durchgearbeitet von Angelika Gulda, findet einen Job, der dich glücklich macht, mit einem Segelschiff drauf.

Das sind so 13 Übungen. Das war meine Zeit, die ich brauchte, während der ich krankgeschrieben wurde, da habe ich an dem gearbeitet. Ich habe gearbeitet, aber an mir. Das habe ich sehr spannend erlebt. Ich habe es geliebt, mich besser zu entdecken, kennenzulernen, auch ein bisschen in Zukunftsvisionen zu schwelgen. Das wäre noch gut, das würde noch Spaß machen und so weiter. Und dadurch habe mich sehr schnell erholt, weil ich sehr viel Hoffnung hatte. Und es war auch das Feedback von meinen betreuenden Personen, dass sie dort finden, dass ich es extrem gut mache, dass es schnell geht. Und ich hatte auch das Privileg, wirklich ein grosses Privileg, dass der Arbeitgeber keinen Ruck gemacht hat. Mir wurde nicht gekündigt, der Lohn reduziert, das muss man erst mal finden, 80 wäre normal, das wäre auch okay gewesen. Und ich hatte einfach Zeit, mich diesem Prozess zu stellen. Und das habe ich gemacht. Ich habe auch Verantwortung übernommen, das ist einer der Kernpunkte, um resilient zu werden. Dass man nicht die Schuld auf andere schiebt, das habe ich natürlich auch gemacht. Gerade in der Anfangsphase, ich habe mich so genervt über meine Chefin, das sehe ich ihr sorgfältig nicht usw. Und dann habe ich gemerkt, dass das bringt nichts. Sie ist kurz vor Pension. Ich kann sie nicht ändern. Das ist nur verschwendete Energie auf meiner Seite. Und das wird sie auch nicht kratzen, was ich über sie sage. Das bringt gar nichts. Und es ist ja auch nicht mein Ziel, irgendjemanden zu zerstören. Ich will ihr heilen und wachsen und retten, aber nicht das andere. Und dann muss ich das Vergeben loslassen und bei meinen Dingen hinschauen. Und hatte dann auch Zeit für diese Prozesse.

 

Ich merkte, dass ich zwar extrem schnell unterwegs bin von meiner Art, auch im Denken und so weiter, aber dass es eben nicht so schnell ging. Dass es Zeit brauchte. Und wenn ich es wirklich bis an gründlich machen musste, muss ich es auch werden lassen. Und ich hatte es nicht im Griff. Und das hat mich gestresst, weil ich gerne Kontrolle habe über gewisse Prozesse. Aber das geht dort nicht. Das Beste, was ich machen kann, ist zu vertrauen und dem Zeit zu geben, Verantwortung zu übernehmen, überall wo ich sehe, jetzt kommt ein Stück mehr dazu. Das dann eben anzugehen und nicht wegzustecken, sondern wirklich dann anzuschauen. Und da habe ich die Hilfe natürlich in Anspruch genommen.

Simea:
Aber weißt, ich sage mal, was mich schon irgendwie, was eine Frage aufwirft ist, du hast ja eigentlich dein Leben lang schon an dir gearbeitet. Sachen gemacht, Seelsorge, Sozos, weißt du, du hast Hilfe in Anspruch genommen und trotzdem ist es zu zweimal so so extremen Situationen gekommen. Wie erklärst du dir das?

Esther:
Ja, ist eine gute Frage. Wie erkläre ich mir das?

Ja, dass wir nicht perfekt sind, dass ich nicht auf einem Weg bin, ich bin nicht am Ziel. Ich bin in einer Welt, in ich nicht 100 % geheilt bin, ich bin nicht heilig. Gott sagt, ich bin heilig, das ist mein Ziel, auf das arbeite ich hin, aber ich habe einfach noch meine Baustellen. Und ich kann auch nicht so schnell alles bearbeiten, dass ich mit meiner Vergangenheit, man startet ja sehr unterschiedlich ins Leben.

Ich habe weltweit gesehen einen sehr privilegierten Start gehabt hier in der Schweiz mit sehr vielen, was mir keine Sorgen gemacht hat. Aber es gab dann eben auch diese zwischenmenschlichen Dinge und Verletzungen. Meine Eltern sind geschieden zum Beispiel, das ist auch nicht ganz einfach gewesen. Und dann eben diese Zwistigkeiten zwischen den Eltern, aber auch mit uns, dass die Eltern das irgendwo...

Diese Beziehung zu meinen Eltern ist etwas, was für mich nach wie vor schwierig ist. Ich stelle mir Vater und Mutterschaft anders vor, als ich es in meiner Kindheit erlebt Und jetzt zu überlegen, wie lebe ich das für andere Leute aus? Nicht so, wie dann? Das sind alles Prozesse, die brauchen Zeit. Und jetzt bin ich in dieser Zeit, die es braucht, und da hat es mich zweimal erwischt, dass ich einfach irgendwo nicht mehr bewusst gelebt habe, nicht mehr meine Erholungsphasen priorisiert habe, meinen Sabbat quasi vielleicht im Außen priorisiert habe, aber überlagert wurde durch Dinge, die mich eben auch noch interessierten und mich dann zugetextet und abgelenkt habe, nicht aufs Wesentliche konzentriert habe, ganz viele Fehler, die mir unterlaufen sind und auch nach wie vor unterlaufen. Also das, ich bin, wie soll ich sagen?

 

Es wäre nicht der Weltuntergang, wenn es ein drittes Mal passieren würde. Aber ich möchte es nicht. Und ich arbeite dran. Aber ich würde mich jetzt auch nicht unter Druck setzen. Weil das wäre eben genau eine unreife Situation.

Simea:
Ja, guter Punkt. Also das heißt, du würdest schon sagen, es ist mit jedem Arbeiten an dir selber vielleicht noch ein Level tiefer gegangen. Man lernt auch mehr. Ja, genau. Man ist dann auch bist vielleicht noch bereiter für manche Punkte, wo man beim ersten Mal noch nicht bereit ist? Man hat sie noch gar nicht gesehen, weil es vorher noch ganz viel zu bearbeiten gab.

 

Esther:
Genau, das Tiefe, und dann kommt das nächste Level, wo die nächste Schicht abgedeckt ist.

Zwischendurch arbeite ich jetzt wieder ein halbes Jahr voll, 80 % in einem neuen Job. Ich habe jetzt die Arbeitsstelle gewechselt, weil ich merkte, so viel administratives Zeug passt nicht zu meinem kreativen Charakter. Jetzt habe ich immer noch viel planerische Dinge, aber ein bisschen mehr Abwechslung. Zwischendurch merke ich auch, jetzt atme ich wieder oberflächlich, dann geht die ganze Maschinerie los und du denkst, habe ich jetzt gerade wieder ein Burnout? Und da kommt die Angst dazu.

Und dann merke ich, die Angst ist ganz energieraubend, die will ich nicht. Die lernt auch noch wahrscheinlich. Ja, und verzerrt das Bild. Es ist dann nicht mehr realistisch. Und dann kommt ein Lied, mein Gott, das ist schon lustig, er hat Humor, Gott hat richtig guten Humor. Und da habe ich ein Lied gehört und irgendwo beim 20. Mal sang der Tell the Spirit of Fear, he's gotta go, he's gotta go. Tell the Spirit of Fear, he's gotta go. Und ich, ah, stop, Moment!

Und dann habe ich gemerkt, ja eigentlich drehe ich mich jetzt gerade in diesen Gedanken. Und hier kommt ja schon die Antwort diesmal ein bisschen akustischer als ich sonst Gottes Stimme höre. Macht mich dieses Lied, oder? Und dann merke ich, okay, also Angst, Angst vor Burnout, nein, du kannst, ich will dich nicht, geh raus. Ich will mich anderen Gedanken widmen, was gut, was freundlich, was gütig ist, einen guten Hof hat, darüber will ich nachdenken. Und dann muss ich natürlich schon auch in die Analyse gehen, ja, das ist, wo ich jetzt dran bin, dass ich sehr gut selber Probleme lösen kann, aber es muss nicht immer selber gelöst sein, denn Gott hat noch die bessere Lösung. Und deshalb braucht es diese Stille, damit ich diesen Kontakt habe zu Gott, dass er mir seine Lösung geben kann. Und das ist jetzt der Prozess, wo ich drin stecke, um das immer wieder zu trainieren, was ist denn seine Lösung. Und das dann eben auch mit der Meditation und mit so Orten, wo du dich ihm einfach mal auslieferst und guckst, was passiert. Wo ich einfach in die Stille gehe. Dann im besten Fall das Raum - und Zeitgefühl verlier. Das ist wie ein Flash. Ich denke, dass Drogen so was ähnliches bewirken können. Keine Ahnung. Aber es ist einfach gut. Keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung. Ich nicht mit Drogen experimentiert. Ich denke, ich fange auch nicht damit an. Das glaube ich nicht weiß. Aber ja, genau. Und dann erwachst du aus diesem oder bist du?

Fertig mit der Meditation, merkt es sich gut und hat dann nur noch positive Nachrichten. Ich habe dann wieder Kraft, wie ich geschlafen hätte. Das ist so, wenn ich es ganz gut erlebe. Manchmal erlebe ich es auch nicht ganz gut, dann reg ich mich darüber auf, dass ich jetzt nicht in die Versenkung kommen konnte und Jesus nicht gesehen habe. Das Bild passt auf einen Hauptbahnhof. Ich stehe da und es sind ganz viele Ablenkungen da, aber Jesus ist auch da und jetzt geht es darum, ihn zu finden in diesen Leuten oder zu warten, bis er kommt oder bis ich ihn sehe. Das Bild hilft mir manchmal, wenn ich so viele Quergedanken habe. Ich kann sie auch beantworten, das habe ich auch gelernt, mit einem Friedenswort. Bei mir ist das Freude im Moment, das Wort, das ich brauche.

Dann denke ich, ich sollte noch den Abfall rausstellen, dann sage ich Freude. Dann denke ich, okay, jetzt bin ich hier für die Freude, nicht für den Abfall. Und ich bin auch nicht hier, darüber nachzudenken, was ich morgen auf der Arbeit und der Sitzung noch sagen will. Es ist auch Freude, weil jetzt ist Zeit für die Freude. Und das hilft mir manchmal mit Gedanken.

 

Simea:
Ja, ich habe auch vor kurzem mal gehört, wenn man dankt, kann man auch sich nicht Sorgen machen und sich nicht so drehen.

Wenn man singt oder summt, kann man nicht sich da drehen. Das finde ich auch so praktische Dinge. Ich habe eine Freundin, die macht dann zum Beispiel so, wenn sie den Abfall, würde sie jetzt sagen, danke, dass ich in einem Leben leben darf, wo ich Abfall habe. Wo ich so über Fluss lebe, dass ich Abfall habe. Ganz anderes Denken, also ich muss jetzt noch den Abfall rausbringen. Oder eben dann zu sagen, dann summ ich halt ein Liedchen, während ich das mache, damit ich eben einfach in dem Positiven auch bleibe. Also das sind mir jetzt nur eingefallen. Was hast du für noch konkrete Learnings rausgenommen aus dem Burnout, damit du jetzt anders lebst und mehr dich spürst und mehr bei dir bist?

Esther:
Also das mit dem Summen ist ein gutes Ding für die Atmung. Stimmt. Weil wenn ich oberflächig atme oder auch Herzrasen habe, dann ist ein tiefes Summton, dann hat mir meine Physiotherapeuten gesagt, wenn ich ganz tief summe, dann beruhe ich das unheimlich. Das habe ich noch nicht umgesetzt. Aber sie singen schon. Ich habe wieder begonnen, mich auch zu Musik zu tanzen. Nach einer Depression kommt dann auch irgendwann mal die Lebensfreude wieder zurück. Und es ist dann nicht mehr alles so erdschig und mühsam und schwer und anstrengend, sondern auf einmal siehst du, oh wow, die Sonne ist so cool.

Und das Moment genießen habe ich schon gelernt durch diese Situation. Das habe ich einfach wieder, diesen neuen Blick bekommen für das Schöne im Leben. Ich nehme jetzt auch Zeit, wenn ich jetzt sehe, es ist eine Sonne oder ich sehe gerade ein Tier. Ich liebe Tierbeobachtungen. Ich finde auch, dass irgendwo am Straßenhand eine Amsel, die weiß nicht was, eine Bäre frisst oder pickt. Dann  halte ich mal still und schaue dieser Ansel zu, schaue mal, was macht sie da? Das sind so Momente für ins Hier und Jetzt zu kommen. Und dass ich das auch einplane, dass ich viel mehr Zeit einplane zwischen den Wechseln von Termin zu Termin. Und sonst geht es wie nicht. Ich mache mir manchmal auch Sperrtermine in meine Agenda rein, damit mir die Leute nichts anderes reinplanen, wenn wir uns gegenseitig zu Sitzungen einladen.

 

Und was ich auch mache privat ist eine energetische Planung. Das zählt jetzt da. Das ist so geil. Das muss ich erklären. Ich schaue wirklich über die Woche und schaue, wie viel ich wirklich machen kann. Auch an Abenden. Und wenn es letzte Woche ein schlechtes Beispiel ist, habe ich jeden Abend etwas gehabt. Das ist zu viel. Und so habe ich jetzt gemerkt, dafür weiß ich jetzt das Wochenende habe ich jetzt nichts. Ich hätte noch in die Berge in den Schnee fahren können. Das mache ich auch sehr gerne. Das tut auch gut.

Aber ich merke es wie ein Step zu viel. Ich brauche vielleicht einfach Zeit, um zu Hause meine kreativen Tapeten jetzt noch irgendwie zu verarbeiten, die ich mir gekauft habe und die schon lange im Badezimmer stehen und die ich mir jedes Mal überlege, wie bringe ich die an. Vielleicht mache ich es auch nicht. Ich will Raum haben, spontan zu entscheiden und zu spüren. Nein, jetzt will ich einen Kaffee trinken und jetzt will ich nur noch hier sitzen und einen Zeitungsartikel lesen.

Jetzt möchte ich einfach mit den Händen arbeiten. Und meine To -Do's, die haben auch ihren Platz im Kalender, aber die sind dann nicht jeden Tag dran. To -Do's sind Freitag oder Samstag und alles andere. Die Abende sind dann sonst frei. Beziehungen habe ich eingeplant, weil es ist mir wichtig, Beziehungen zu leben. Und ich habe einen kreativen Halbtag, das ist auch Freitag oder Samstag, dann geht es gleich zum Erledigungstag und Putztag, wo ich sehe, da ist jetzt einfach ein halber Tag Zeit, wo ich machen kann, was ich will. Dann bastle ich eine Lampe oder mache etwas drauf oder falte irgendwelche Kunstobjekte oder gehe die Leinwand mal was, baue meinen Bank zusammen.

 

Oder nähe ein Kissen, Häklee, ein Seehund, was auch immer. Was mir dann Spaß macht, wo ich dran bin und was ich jetzt machen möchte. Das habe ich dann auch Freude, etwas mit den Händen zu tun, was man sieht, welche die Dinge auf meiner Arbeit dann nicht sehe. Planungen sind, ich sehe dann, das wird dann so, aber es ist dann nicht so sichtbar wie ein Gegenstand, der dann gemacht wird. Also ich habe gemerkt, mein Bedürfnis ist, Kreativität zu leben, das ist für mich total erholsam - und das muss ich einplanen. Das passiert nicht automatisch. Und Mittwoch, Nachmittag, ich habe zwei Halbtage frei in meinen 80 Prozent. Ich habe es auf Halbtage verteilt, weil der Morgen sonst bei mir sehr unproduktiv ist und ich dann verpenne. Und dann habe ich gemerkt, ich möchte aber diese 20 Prozent wach erleben. Deshalb habe ich jeden Morgen Arbeit, aber dann zwei Nachmittage frei, so wie in der Schule auch, oder nachmittags frei. Und das kann ich jetzt auch und freue mich dann mit wo ich reite mit was gehe ich reiten mit dem Charlie ein altes Pferd wir haben kennen uns schon seit zehn Jahren und er kommt wie ein auf mich zu gelaufen welchen Stall kommt freut sich und ich freue mich auch es ist wirklich sehr wohl sagen

Simea:
Ja ja ok ok also richtig konkrete Dinge eigentlich…

 

Esther:
Genau und was man anfassen kann ich weiß es tut mir gut draußen sein in der Natur

Beim Charlie ist es so, wir reiten nur noch kurze Strecken, aber dafür mit Freude. Er kriegt dann noch seinen Ort, wo er fressen darf. Er weiß, dass es ein Ort ist, wo über die ganze Stadt sieht, mit schöner Aussicht. Ich lasse ihn frei, der kann man gut einfangen. Ich sitze dann im Boden, habe eine Isomatte dabei. Ich mache meine Dehnungsübung und schaue dem Pferd beim Fressen zu.

Und dann muss ich mich ein bisschen disziplinieren, dass ich das Handy nicht nach vorne nehme und Dinge erledige, sondern dass ich das meine Zeit auch erstille. Und das Sein, wo ich einfach den Pferd beim Fressen zuschaue. Oder auch in die Aussicht rausschaue, den Gedanken auch nachhängen kann und wie ich den Tag verarbeite. Und was ich auch versuche aufzugleisen bin, mit dem Arbeitgeber einen Raum zu haben, wo wir mittags schlafen könnenn - sind wir noch nicht so weit. Im Moment sitze ich irgendwann im Puff und versuche so in die Ruhe zu kommen. Wenn ich diesen Reset dann mit habe, wenn ich zu Hause Homeoffice mache, mache ich das. Ich liege kurz auf dem Sofa, es geht mit einem Schlafen auf 28 Minuten. In 10 Minuten bin ich dann etwa weg und ich bin wie ein neuer Mensch.

 

Simea: Ja, gell, Powernap. Ach so cool.

 

Esther:
Und am Anfang habe ich gedacht, es geht doch nicht, es geht doch nicht. Dann habe ich es einfach probiert und ein paar Mal hintereinander dem eine Schaf gegeben und auf einmal hat es geklappt.

Und jetzt klappt es, wenn ich auf dem Rücken oder zum Teil auf dem Bauch liege, dann ist das so meine Position und mein Körper weiß, so jetzt kannst du kurz wegtreten und verarbeiten. Das ist auch ein praktisches Ding, was ich mache seit den Burnouts. Und das auch priorisiere. Also es hat ganz viel, wenn ich dich richtig verstehe, es hat wirklich ganz viel mit dem Priorisieren zu tun von Dingen, die die Last, die man nicht immer entgehen kann, kann einfach ausgleichen. Klar, du hast natürlich auch Jobwechsel vorgenommen, wo du gesagt hast, da kann sich der Job nicht verändern, der ist einfach zu administrativ. Das ist sehr sicher was, wo man sich überlegen muss. Wenn ich in einem Job zu einem Burnout gekommen bin, ist dieser Job nicht der, wo ich einfach auch nicht zurückgehen sollte. Und dann aber trotzdem wirklich bewusst diese Gegenpole zu setzen, wo man Dinge macht, die einen wirklich auftanken.

Und auch den Mut zu haben zu sagen, das sind aber keine Dinge, die mich auftanken. Da hast du ja auch relativ gut Grenzen gesetzt, wie ich dich so erlebt habe im letzten Jahr. Ich habe auch Dinge abgesagt. Ich habe viel Ehrenamt gemacht. Oder habe ich eigentlich bis auf eine Sache alles abgesagt. Oder einfach weitergegeben, übergeben und gesagt, das mache ich jetzt nicht mehr, weil ich brauche diese Zeit, um zu sein. Und ich mache auch, wenn ich am Abend nichts habe und ich mit dem Fahrrad nach Hause fahre von der Arbeit, dann mache ich noch einen Umweg und gehe noch an einem schönen Ort vorbei und sitze dort noch auf einem Baumstamm am Waldrand und schaue einem Sonnenuntergang zu. Also Sachen plane ich dann ein und dann gehe ich noch in den Berner Rosengarten auf dem Heimweg, dann nehme ich eine andere Route, nehme ein Buch mit und lese dort noch ein bisschen auf meiner Bank.

 

Simea:
Aber fühlt sich deswegen für dich das Leben schlechter an?

 

Esther:
Nein, natürlich nicht. Viel besser.

Simea:
Wenn man im Rat isd, dann denkt man ja, das kann ich nicht, das geht nicht. Dann ist ja das Leben nicht mehr gut. Also, weißt du, diese Lügen, die dann da sind. Deswegen finde ich wichtig zu sagen, du findest es jetzt besser. Viel besser. Das hättest du aber früher nicht gedacht, oder?

Esther:
Viel besser und ich arbeite auch anders. Also ich nehme hier viel mehr Freiheiten raus und das kann ich auch.

Wenn ich z .B. mich in Gesetze einlesen das ist eine super spannende Arbeit, das mache ich überhaupt nicht gerne. Und ich wie lese ich mir diese Gesetze durch? Muss ich die Grundlage meiner Arbeit haben? Und dann habe ich meinen Chef gefragt, ist es okay, wenn ich in ein Restaurant gehe und mir die Gesetze dort ausdrücke und mitnehme und lese? Und ja, kein Problem, mach das. Und dann habe ich bei uns als sehr zentralem Arbeiter, und dann ging ich aus dem Gebäude ins nächste Restaurant.

Ich habe eine Chai-Latte bestellt und dann meine Gesetze am Restaurant, Tisch und Sonne gelesen. Das war für mich dann auch halb so schlimm, da hat es mir nicht mehr so viel Energie gekostet. Und ich habe vermutlich mehr mitbekommen, als wenn ich sie am Arbeitsplatz in den Büroregalen drin gemacht hätte. Und solche Dinge, also ich versuche die Arbeit auch spannender zu gestalten. Ich habe ja Leitungsfunktionen, das heißt ich habe Gestaltungsspielraum. Man erwartet von mir, dass ich proaktiv selber gestalte.

Und ich mache auch vielleicht, inzwischen kenne ich ja mein Team auch besser und dann weiß ich, wer gerne die Dinge per Mail erledigt. Ich lese nicht gerne, ich schreibe sie auch nicht gerne. Und die anderen Personen versuche ich dann einfach kurz vorbeizugehen. Ist er da oder ich schaue mal, ist er im anderen Gebäude und dann Termin abmachen, du ich muss noch das mit dir besprechen und das und das und das. Nämlich ein paar Sachen zusammen. Können wir uns beim Kaffee dann um diese Zeit, Uhrzeit bei dir drüben treffen. Ich komme rüber, dann kann ich noch über die Brücke spazieren und kurzen Kopf lüften, dann bin ich dort. Und meistens reden wir dann sonst noch Sachen, Lachen zusammen. Das bildet dann das Team auch, das ist mir persönlich sehr wichtig. Und ich habe das Gefühl, jetzt habe ich eine abwechslungsreiche Arbeit. Ich mache das Gleiche aber ein bisschen anders. Ich versuche wirklich mit meiner Kreativität, die ich habe, zu überlegen, wie kann ich das Ganze ein bisschen abwechslungsreicher gestalten für mich. Und ich nehme dann eben auch noch einen Witz mit.

Ich informiere mich über kinderwitze .ch, die sind ein bisschen harmlos und immer lustig. Also meine Quelle und dann schaue ich mir einen an und da wo ich lachen muss. Das ist so genau, dass ich dann irgendwie, ich weiß auch wer auf Witze anspricht und dann gehe ich auch nur vorbei kurz um den zu erzählen, wenn das Programm nicht funktioniert hat und die Planung auf dem Kopf zusammengebrochen hat, brauche ich dann einen Break. Dann merke ich so, jetzt setze ich mich brutal unter Druck manchmal. So, jetzt machst du das noch fertig. Und dann sage ich eben Stopp, Moment, nein, jetzt setze ich mich gerade unter Druck, mache ich nicht, Beziehung zu mir selber ist wichtig. Jetzt brauche ich einen Break und dann geht es dann wieder. Und dann nehme ich fünf Minuten, laufe durchs Büro, schaue mal, wer da gerade nicht so beschäftigt ist und erzähle den Witz und gehe dann wieder zurück. Das ist so eine Strategie, die ich entwickelt habe.

 

Simea:

Aber was ich so daraus spüre ist, du hast diese Stolpersteine genommen und hast gesagt, ich lasse mich nicht ins Stolpern bringen davon. Also nicht langfristig. Sondern ich gestalte den Weg danach besser als davor.

Also so nehme ich das wahr.

Esther:
Die Stolpersteine meinst du das Burnout?

Simea:
Genau, weil es sind ja in dieser Reihe Stolpersteine und das Burnout ist ja so jetzt der Stolperstein des Tages sozusagen. Der heutige Stolperstein ist….Burnout. Ja und weißt du, das finde ich ja ermutigend für jemanden zu hören. Also es ist nicht dann so, dass man dann wirklich auf der Schnauze liegt und da liegt man dann und dann war es das.

Und dann wird es nie wieder gut.

Esther:
Also manchmal fühlt es sich schon so an. Das Gefühl könnte ich voll abholen. Aber das wäre nicht zukunftsfähig. Ich bin ein Mensch der Hoffnung. Also ich brauchte dann auch Menschen, die für mich beteten, weil ich nicht mehr konnte. Also ich konnte nicht mal mehr für mich selber beten. In der schlimmsten Nacht, die ist mir noch sehr präsent, da hat das Einzige, was geholfen hat, war Worship hören. Ich versuchte dann mit aller Kraft mitzusingen.

Das hat dann nicht mehr funktioniert, aber dann habe ich wenigstens gehört und die Gedanken haben sich querbeet durch meinen Kopf, durch Synapst verbunden, was ich nicht wollte. Und nebenan war die Musik, das war das Einzige, was ich noch konnte. Aber ich konnte weder beten noch sonst was tun. Ich habe gedacht, jetzt drehe ich völlig durch, dann weiß ich, wie es Menschen geht, die psycho werden. Und dann brauchst du einfach auch Hilfe, ganz klar.

Und ich hatte ein super Umfeld in beiden Fällen. Das ist auch etwas, was man sich aufbauen kann. In welchem Umfeld bewegt man sich, begibt man sich und isst man. Und das ist, was man in gesunden Zeiten aufbaut. Und das hat dann auch getragen. Das ist ein super Tipp, sich dort Gedanken zu machen. Und dort auch mit diesen Leuten die Beziehung zu pflegen und dort zu investieren. Und das Coole war oder etwas ganz Spannendes, was mich überrascht hat in dieser ganzen Geschichte. Als ich mich schwach gezeigt habe, ich war sonst immer die Starke, diejenige, die leisten konnte, etc. Und jetzt auf einmal war ich die schwache, die Hilfsbedürftige, die nicht mehr weiter wusste, die irgendwo verzweifelt war, verwehrt, nicht mehr sich selbst. Und ich habe gemerkt, wie meine Freundinnen geschätzt haben, dass sie mir helfen konnten. Und das es für sie schön war, mich mal tragen zu können. Das berührt mich gerade. Ich merkte, dass da eine unheimlich coole Power drin steckt, Schwäche zuzugeben. Und auch für mich völlig befreiend. Jetzt muss ich nicht mehr alles können. Es ist eigentlich auch ein Befreiungsschlag auf meiner Seite.

Simea:
Ja, und das ist so schön, dass du das noch sagst. Weil dieses ganze Brene -Brown -Verletzlichkeit macht stark, dass wir eigentlich denken, dass wir toll sind, wenn wir stark sind. Und dass aber die meisten Menschen Zugang zu uns finden, wenn wir schwach sind. Genau. Dass wir uns in einer total falschen Vorstellung bewegen. Und deswegen leisten, leisten, leisten, leisten, leisten, weil wir denken, dann bekommen wir Liebe und eigentlich kriegen wir sie dann, wenn wir loslassen und sagen, ich kann nicht mehr. Megaschön.

Esther:
Ja, man kann das auch ganz natürlich im Alltag einbauen. Mein Chef ist mir ein Vorbild. Der jetzige Chef kommt und sagt, wenn er einen Text schreibt, hat er so viele Rechtschreibefehler drin. Und er hat mir gesagt, wenn ich wichtig habe, habe mega viele Rechtschreibefehler. Und ich sage, ich weiß, das ist für mich sehr beruhigend. Und dann schaut er mich an, was beruhigend ist. ich sage, es ist beruhigend zu sehen, dass du so viele Rechtschreibefehler machst. Weil ich mache sie auch. Und wenn ich weiß, du machst sie, dann bin ich viel entspannter, wenn ich sie mache. Weil ich weiß, ja, es ist nicht so schlimm, man kann auch Chef werden, wenn man Rechtschreibefehler hat. In seinem Mail ist drin oder weiß nicht was.

Und dann haben wir gelacht. Und das hat ihn mega berührt. Er hat es mir dann später nochmal gesagt, irgendwo in einem anderen Zusammenhang, ich war dann zu spät in einer Sitzung mit ihm. Da habe ich gesagt, hey sorry, ich bin zu spät. Und sagte, ja dann bin wenigstens nicht immer nur ich zu spät. Das beruhigt mich, wenn auch du mal zu spät kommst. Ja, sehr gut. Er hat das voll gecheckt. Ja, und es ist so, anders zu arbeiten, wenn du weißt, Fehler sollte man nicht wiederholen generell, aber es kann auch passieren. Aber Fehler machen ist extrem normal.

Und wir stehen dann gerade dafür. Und das liebe ich jetzt an unserer Unternehmungskultur, dass es eben so gelebt wird. Und auch Ferienkultur wird brutal verteidigt. Es ist mega schön zu sehen, wir können Urlaub nehmen, auch unbezahlt, länger Zeit. Man plant das zusammen ein und dann ist das so. Dann wird dann nicht gebettelt, jetzt haben wir gerade noch ein Projekt mit Fachkräften machen können, das ist noch nicht passiert. Dann sagt man, ja, du hast deine Ferien verdient, wir haben das so abgemacht, das ist so.

Und wir freuen uns, wenn du wieder zurückkommst. Und wir decken uns auf den Rücken, wenn gelästert wird mit externen in anderen Sitzungen. Was ist der schon wieder in den Fällen? Ja, jeder braucht mal Ferien. Es ist so. Genau. Auch du und ich. Und dann gehen wir zum nächsten Thema. Und das finde ich cool, diesen Umgang mit Ruhezeiten und auch Arbeitszeiten. Wenn man in der Arbeit ist, ist man da, man hat Geld fürs Projekt, es ist eine coole Stimmung. Und dann ist man aber auch fertig und zu Hause und jeder hat sein Wochenende verdient.

Und da bin ich auch sehr krass, zum Beispiel: Pausen. Ich habe früher immer noch das Mail fertig schreiben wollen vor der Pause und weiß nicht was, dann habe ich zehn Minuten gebraucht und dann die Pause fertig und die Kollegen schon wieder zurück. Was mache ich heute nicht mehr?

Simea:
Das ist mega gut, dass du es ja gestern schon gesagt hast. Da habe ich gedacht, das muss ich unbedingt sofort lernen, weil ich kann das auch gar nicht. Aber wie oft ich schon ein Mittagessen versäumt habe oder irgendwas, wegen so einer blöden Mail, die wirklich warten kann eigentlich.

 

Esther:
Ja, wenn du dich einloggst, ist es wieder zuvorderst. Es ist auch noch, was du vorher geschrieben hast. Und sich einzulesen ist nicht ein großer Aufwand. Ich mir eine Schildkröte beim Computer hingemacht. Das war in der Therapie rausgekommen mit einem Psychologen. Der hat mir gesagt, machen Sie es wie die Schildkröten. Nehmen Sie es langsam, gemütlich. Und Sie wissen, die Schildkröten werden 300 Jahre alt, weil sie so gemütlich sind.

Die leben länger, die haben bessere. Das dauert dann länger alles. Und dann habe ich gedacht, ja komm, Schildkräte dahin. Schaue ich die an. Ja, ich darf es gemütlich nehmen. Ich muss jetzt nicht noch schnell, schnell. Das kann ich auch morgen machen. Ja, super gut. Und dann beginne ich zu planen und mache mir halt einen Terminblock in die Agenda rein. Dann kann ich mir auch keine Sitzung reinmachen. Dann mache ich das. Also Planung ist ...

Was mir persönlich, also Planung persönlich, Planung auf der Arbeit, auch der Arbeiten, dass ich wie voraussehen kann, dann Reserve einplanen, das sind alles Dinge, die total praktisch und machbar sind und mir Entspannung geben. Auch Planung meiner Pendenzen, dann muss ich nicht Montag, Dienstag, Mittwoch irgendwann mal, das muss ich noch machen, das muss ich dann mache ich meine Pendenzen, da gibt es ein Speakely, ein Stapel und der kommt dann Samstag morgens dran. Und dann mache ich auch mit meiner Nachbarin ab, für noch die Stuckwerk -Eigentum, Abrechnungen. Also das mache ich auch nicht gern. Aber mit ihr zusammen mache ich es viel lieber, weil dann trinken wir noch Tee zusammen und sie sagt mir welche Zahl und ich tippe es ein und dann schaue ich, ob die Berechnungen stimmen. Dann haben wir unseren Abschluss dann für die Steuererklärung dann bereit. Machen wir zusammen, nicht alleine, weil das gut ist, auch alleine. Also einfach wirklich kreative Lösungen finden für alle Dinge und nicht^in diesen Durchhalte, «ich muss es schaffen»-Modus reinkommen.. Und wenn du planst, wenn ich plan, habe ich einfach auch noch Reaktionszeit. Wenn ich merke, ich schaffe es nicht, dann hole ich mir Hilfe. Ich sage, hey, könntest du mir einen Gefallen tun? Und ich habe auch gemerkt, Lincoln, glaube ich, der amerikanische Präsident, seine Verhandlungsstrategie ist, bitte jemandem um ein Gefallen, dass er dir etwas hilft und dann hast du sein Vertrauen. Das habe ich wirklich mal einfach ausprobiert. Gerade als ich neu war in diesem Arbeitsplatz und man sich nicht so kennt, habe ich auch sehr viele Fragen, wie funktioniert das Computerprogramm, wer ist für was zuständig. Dann gehe ich einfach hin zur Person und sage, kannst du mir was helfen? Ich komme nicht raus, wie muss ich das jetzt machen? Und es ist jeder bereit, dir zu helfen.Dann hast du schon Kontakt gehabt und er durfte dir was zeigen, was er sehr gerne macht, weil er ja mehr Wissen hat und mir hilft es und es ist wie ein Win -win. Und wir haben Beziehungen gebaut, so über ein fachliches Thema. Und mich wirklich hilfsbedürftig zeigen, auch wenn ich als Projektleiterin für alles Hilfe einfordere, weil das wäre dann auch wieder der Rolle unwürdig, aber für kleine Dinge immer wieder zugeben, da komme ich jetzt nicht nach, kannst du mir das nochmal erklären? Ich verstehe den Zusammenhang noch nicht, wer kann mir das sagen? Immer wieder reingehen und zeigen, ihr seid die Fachexperten, ich koordiniere euch, aber ich brauche eure Hilfe, sonst geht es nicht. Ich mache mich abhängig von Ihnen. Bewusst auch, das entlastet mich, ich habe viel weniger Verantwortung und sie haben mehr, dafür mehr auch Identifikation mit der Sache. Richtig und auch mehr Spaß, weil sie sind ja die Spezialisten. Sie können auf ihrem Bereich die Dinge gut beurteilen. Muss ich gar nicht reinreden. Ich kann höchstens rückfragen. Und dann macht es eben auch Spaß. Super. Und Spaß bei der Arbeit finde ich noch wichtig, wenn du acht Stunden am Tag Brot verdienst. Sollte auch mal Lachen drin liegen.
 

Simea:
Ja, schön, super. Hast du es gut mit reingenommen in deine Strategien und in deinen Umgang mit deinen zwei Burnouts. Und ich persönlich hoffe, dass es nichts mit einem dritten Burnout kommt. Ich bin mir eigentlich auch fast sicher, weil ich dich jetzt so erleben durfte in dem Jahr, wie du einfach gut und bewusst umgehst damit. Ich hätte dich gerne davor gekannt, weil ich gerne sehen würde, wie der Unterschied ist, wie du anders warst. Weil ich mir schon vorstelle, dass du dann anders die Sachen angegangen bist und mehr den Druck hattest und ich muss und so.

Aber ich finde es cool, dass du dich da so entwickelt hast. Ich hoffe einfach, auch wenn ihr das hört, dass es euch Hoffnung gibt und eine Variante, eine Sicht dafür, dass aus diesen Stolpersteinen eben manchmal dein einfach persönliches Wachstum entstehen kann. Und dass dadurch das Leben einfach noch mal besser wird auch. Super. Esther,

dass du extra angereist bist aus Bern.

Esther:
Vielen Dank dir, dass ich dich besuchen durfte.

 

Simea:
Genau. Schön, dass du da warst und euch vielen Dank fürs Zuhören und in zwei Wochen geht es weiter mit dem nächsten Stolperstein. Schön, dass ihr immer wieder einschaltet. Ihr findet weitere Infos immer auf der Homepage frautentisch.com oder ihr könnt auch unseren Insta -Kanal abonnieren, da freue ich mich. Da mache ich auch immer mal wieder so Stories behind the scenes zum Beispiel drauf, wo ihr mich ein bisschen erkennen lernen könnt, also da könnt ihr gern schauen. Und der Podcast ist gesponsert von Campus WE. Das ist ein Arbeitszweig von Campus für Christus Schweiz für Frauen, Women, Empowerment. Dafür steht das W-E. Und wenn ihr euch interessiert für unsere Angebote, wir haben tolle Kurse für junge Leiterinnen, für ältere Frauen in der Lebensmitte, für Speakerinnen, alles Mögliche, dann könnt ihr euch auf der Homepage campus-we.ch auch informieren, dann mal reinstoppen und dann sag ich bis bald. Tschüss!

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